Ausgangslage

 

Ausbildung Landschafts-Therapeut/inIn den heutigen Industrienationen ist häufig ein Beziehungsverlust der Menschen zur Natur zu beobachten.
Fast unbemerkt führt das zu den erwähnten Mangelerscheinungen unserer Seele und unseres Leibes.
Solche Defizite erscheinen da, wo die elementare Erfahrung, etwa eines Waldes, eines Baumes, einer Schmetterlingswiese, eines Flusses, der Weite, der Stille... nicht mehr gemacht werden oder so selten, dass die Wirkung in ihrer Summe denkbar schwach ist.

Weiter ist unser modernes Leben stark konfrontiert mit Zeitdruck, Rastlosigkeit und Stress.
Es gehört häufig zu unserem Alltag, dass die hohen beruflichen Anforderungen und die damit verbundenen Termine zum Dauerstress werden. Dazu ist auch das Privatleben oft noch stark verplant und mit Aktionen gefüllt.
Anfangs fühlt sich das meist gut und vor allem lebendig an - ich bin wichtig, bin gefragt, bin aktiv und immer ausgebucht -, aber über einen längeren Zeitraum ohne Rückzug und Erholungspausen kehrt sich der positive Eu–Stress häufig in negativen Di-Stress um. Das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit (Kohärenzgefühl) schwindet und geht schließlich ganz verloren.
Wir fühlen uns zunehmend müde, erschöpft und krank. Der Körper reagiert mit Kopfschmerzen, Migräne, Dauererkältungen, Herz-Kreislauf-Problemen und möglicherweise mit Burnout oder sogar mit Herzinfarkt.
Unter anhaltendem Zeitdruck, einer Rast- und Ruhelosigkeit sowie stetig steigender Anforderungen, drosselt unser Körper über hormonelle Steuerung die Immunabwehr herab, um alle Kraft und Aufmerksamkeit für die körperlichen Anstrengungen nutzen zu können.

Ausbildung Landschafts-Therapeut/inDie Landschafts-Therapie arbeitet dieser Entwicklung entgegen.
Sie ist auch ein notwendiger Beitrag zur Senkung von Kosten im Gesundheitswesen.

Im Sinne der allgemeinen Widerstandfähigkeit (Resilienz) kommt der seelischen Ausgeglichenheit immer mehr Bedeutung zu. Dies gilt im ureigenen Interesse ebenso, wie für Personen, die mit der Gesundheit und der persönlichen Entwicklung von Menschen zu tun haben. Nicht umsonst definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Gesundheit als körperliches und seelisches Wohlbefinden.

 

Grundüberlegungen

Uns allen ist die Verbundenheit mit den Elementen als eine entscheidende Grunderfahrung des Kindes bekannt. Wir erinnern uns beispielsweise gut an die lustvolle Erfahrung von Matsch, das Gefühl des Fliegens im Herbstwind oder die Versuche als Kleinkind, alles – aber auch alles – mit dem Mund zu erforschen.

Aus diesen ersten Erfahrungen mit den Elementen entwickelt sich das Gefühl der „Zugehörigkeit“ auch zur nichtmenschlichen Umwelt.

Gleichzeitig entwickelt sich daraus aber auch die Erfahrung, dass es „mich selbst“ gibt – ein Gefühl also für die eigene Individualität.

Diese Grunderfahrungen und ihre weitere Pflege sind nicht nur für das Kind wichtig, sondern bilden auch eine entscheidende Basis für unser Wohlbefinden als Erwachsene.

D. Abram (Jahrgang 1957 / Alliance for Wild Ethics (AWE)), Philosoph, Anthropologe und Ökologe aus den USA, führt in seinem Buch – Im Bann der sinnlichen Natur – Die Kunst der Wahrnehmung und die „mehr als menschliche“ Welt - dazu aus:

„Menschen sind wir erst im Kontakt und im lebendigen Miteinander mit dem was nicht Mensch ist!“
(Abram 2015, S.44).

H.F. Searles (1918 – 2015), amerikanischer Psychoanalytiker, hat sich, als einer der ganz wenigen Psychoanalytiker, mit der Wirkung der nichtmenschlichen Umwelt auf die psychische Gesundheit sowohl für das Kind als auch für den Erwachsenen beschäftigt.
Nach ihm existiert eine grundlegende „Verwandtschaft“ des Menschen mit der nichtmenschlichen Umwelt (Searles 1960, S.5).
In der animistischen Weltauffassung kam diese, seit undenklichen Zeiten akzeptierte Verbundenheit, zum Tragen. Die Wirkungen daraus auf Psyche und Seele laufen jedoch allermeist unbemerkt auf der nicht-bewussten Ebene ab.

Es ist davon auszugehen, dass zum Erhalt und zur Pflege dieser Grunderfahrung in der weiteren Entwicklung dafür stets regelmäßige Übung erforderlich ist. So wie wir ein Leben lang regelmäßig Nahrung für unseren Körper brauchen und zu uns nehmen, braucht unsere Psyche und Seele als Nahrung den regelmäßigen Kontakt und Umgang mit dem Gegenüber – also auch mit der nichtmenschlichen Umwelt. Ansonsten droht eine Schwächung oder gar der Verlust unseres eigenen Wohlbefindens und letztlich unserer Gesundheit.

Es bedarf ein Leben lang
einer ständigen „Zuwendung“ an die äußere Welt
– der menschlichen wie der nichtmenschlichen –